Cover Die Werwölfe

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Europa Anfang des 19. Jahrhunderts: Während sich die Alte Welt von zahllosen Kriegen erholt, kündigen sich tiefgreifende Veränderungen an die Menschheit steht an der Grenze zur Moderne. Aber noch sind die Traditionen stark und die starren Strukturen brechen nur langsam auf. In dieser Zeit des Wandels schickt sich eine uralte Bedrohung an, die Menschen in den Abgrund zu reißen. Denn in den Schatten der Welt hat etwas überlebt: die Werwölfe&xnbsp;

Die Werwölfe Heyne TB, ISBN-10: 345353316X
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Mit einer Zeitmaschine würde ich ins beginnende 19. Jahrhundert reisen, und versuchen, diese spannende Zeit mit all ihren Umbrüchen, Umstürzen und Widersprüchen zu spüren und zu verstehen.

Hier gibt es die offizielle Leseprobe des Heyne Verlags. (PDF 1.09 MB)

»Die Werwölfe«

Prolog


Der Schuss hallte durch die frostige Luft. Erdreich und Schnee wirbelten auf, als sich die Kugel gut fünf Meter neben ihrem Ziel in den Boden bohrte. Fluchend griff der Schütze nach dem Pulverhorn.

Das Tier hatte sich nicht bewegt. Nicht einmal, als kleine Steine und Erdbröckchen um es herum herabfielen. Unverwandt starrte es den Mann aus seinen hellen Augen an. Es hätte zusammenzucken sollen oder weglaufen, doch nichts dergleichen geschah. Ein Rabe krächzte missbilligend in den Wipfeln der Bäume, als empfände auch er das Verhalten des Wolfs als unnatürlich.

Die Kälte hatte die Finger des Schützen steif und unbeweglich werden lassen. Die Handschuhe waren fingerlos, um das Nachladen und Bedienen der Flinte zu erleichtern. Jetzt, am frühen Morgen, da der kühle Nebel wie ein zerschlissenes Leinentuch zwischen den Bäumen hing und die Sonne kaum mehr als ein schwaches Blinzeln über dem Horizont war, erwiesen sich die Handschuhe als wenig nützlich.

Dennoch ließ der Mann sich nicht beirren. Seine Hände führten die bekannten Bewegungen aus, wie sie es schon hunderte von Malen getan hatten.

Der Wolf setzte sich in Bewegung. Langsam, fast gemächlich trottete er auf den Schützen zu. Als der Mann dies bemerkte, fluchte er leise. Sein Atem bildete kleine Wolken in der Luft, die sich mit dem Pulverdampf vermischten, als wollten sie den Nebel verstärken und das weiße Gewebe vor dem anbrechenden Tag retten.

Sorgfältig verschloss er das Pulverhorn, nahm eine Kugel aus dem ledernen Beutel an seinem Gurt, ließ sie in die Mündung fallen und zog den Ladestock aus seiner Halterung unter dem Lauf. Sein Blick wanderte zu seinem Ziel, das nun schneller auf ihn zulief.<

Hastig rammte der Mann die Kugel in den Lauf. Aus dem Augenwinkel sah er, dass der Wolf nun rannte. Ohne ein Schusspflaster einzusetzen, ging der Schütze in die Knie. Er streute das Zündkraut in die Pfanne, den Blick fest auf das Tier gerichtet.

Es kam näher, die Lefzen zurückgezogen, die Zähne gebleckt, den Blick aus seltsam klugen Augen immer noch unablässig auf den Schützen gerichtet. Ein großer Wolf mit dichtem, fast schwarzem Pelz und nur wenigen weißen Haaren um die Schnauze herum. Bei der Breite seiner Schultern und der Größe gewiss der Leitwolf eines Rudels; einer, den kein anderer Wolf so leicht herauszufordern wagte.

Ihm würde nur Zeit für einen Schuss bleiben, und der Mann zwang sich, durchzuatmen, als er die Flinte an die Schulter legte. Alles in ihm schrie danach, zu feuern, den Wolf zu töten, zu erlegen, doch er hielt inne, beruhigte seine Gedanken, zielte sorgfältig und schoss erst dann.

Der Einschlag warf das Tier herum, brachte es aus dem Tritt, und es geriet ins Straucheln. Ein sauberer Treffer, mitten in die Brust, ein glanzvoller Schuss, ein Blattschuss. Der Schütze lächelte nicht ohne Stolz.

Doch der Wolf rappelte sich schnell wieder auf. Mit mächtigen Sätzen legte er die letzten Meter zurück. Die rechte Hand des Mannes fuhr zu dem Jagdmesser an seinem Gürtel, die andere hob er schützend vor sein Gesicht. Der Aufprall schwerer schwarzer Pfoten schleuderte ihn zu Boden, die Flinte flog in hohem Bogen davon. Die gefrorene Erde trieb ihm die Luft aus den Lungen, Wurzeln und Steine bohrten sich schmerzhaft in seinen Rücken. Doch nichts war so fürchterlich wie die Fänge des Wolfes, die sich mit einem gierigen Knurren um seine Kehle schlossen.

Die Schreie des Mannes erklangen noch lange im Wald.

Erst als sich wieder Stille über das Land legte, krächzte der Rabe noch einmal.

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